Boehringer Ingelheim Regenbogen Netzwerk
09 August 2017
Denise

“Nichts mehr zu verheimlichen“

Markus Pax ist nach der Scheidung von seiner Frau bewusst geworden, dass er schwul ist. Der 41-Jährige, der bei Boehringer Ingelheim in der Abteilung IT Operations Quality Control Europe & Asian Pacific arbeitet, bezeichnet sich selbst als „sehr hetero-geprägt“. Mit seinem Outing hat er sich anfangs nicht leichtgetan. Doch sein offenes Bekenntnis zum Schwulsein und sein Engagement im Boehringer Ingelheim Regenbogen Netzwerk haben ihm geholfen, bei sich anzukommen. Ein Interview von Jan Pfaff.

Herr Pax, was fangen Sie heute mit Ihrem Feierabend an?

 

Ich verbringe den Abend ganz konservativ zuhause auf der Couch mit meiner Familie. Wir sind eine wundervolle Regenbogenfamilie. Zusammen mit meinem Sohn und meiner „Stieftochter“ kochen wir gemeinsam. Mein Partner ist nur etwa zwei Jahre länger geoutet als ich und durch unsere späten Outings sind wir sehr hetero-geprägt. Wir haben also keine Rollentrennung beim Kochen; es gibt bei uns keinen „Hausmann“. Mein Partner und ich sind da vollkommen gleichberechtigt.

 

Sie haben sich in Ihrem beruflichen Umfeld bei Boehringer Ingelheim geoutet. Welche Erfahrungen haben Sie in Ihrem Berufsleben bei Führungskräften oder Kolleginnen und Kollegen, gemacht?

 

Seit zweieinhalb Jahren lebe ich in einer festen Beziehung mit einem Mann. Erst nach der Scheidung von meiner Frau im Jahr 2014 habe ich wirklich realisiert, dass ich schwul bin. Vor meinem Outing am Arbeitsplatz kannten mich meine Kolleginnen und Kollegen nur als Ehemann mit Ehefrau. Ich wusste, dass es besser ist, sich den direkten Kolleginnen und Kollegen zu erklären, bevor ich irgendwo mit meinem Partner gesehen werde. Im Team war es nach meinem Outing recht locker. Auch mein Chef hat es sehr positiv aufgenommen und mir gesagt: „Was soll’s, bist ja der Gleiche. Was zählt ist deine Arbeit“. Ein Kollege, bei dem ich mich zuerst geoutet habe, konnte mir nach meinem Outing viel helfen: Er ist hetero, mag aber Schwulencomics. Da ich das „Schwulsein“ erst lernen musste, konnte ich von ihm viel über Schwule und die schwule Lebenswelt erfahren.

 

Im Januar dieses Jahres haben Sie in Ihr jetziges Team gewechselt, was eine Art zweites Outing mit sich brachte. War dieses Erlebnis ebenfalls positiv für Sie?

 

Ja, und ich habe festgestellt, dass man mitunter sehr persönliche Dinge von seinen Gesprächspartnern erfährt, denn die Leute werden mir gegenüber insgesamt viel offener. Mit manchen meiner Kolleginnen und Kollegen habe ich einen richtig lockeren Umgang mit dem Thema. Als ich meinen Partner auf unsere Weihnachtsfeier mitnahm, dachten manche Kollegen, er sei ein neuer Mitarbeiter.

 

Inwiefern spielen sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität im alltäglichen Leben bei Boehringer Ingelheim eine Rolle?

 

Eigentlich keine. Gleichzeitig war es für mich aber die Hölle, ungeoutet zu leben. Ich musste mich heimlich mit meinem Freund treffen und mir in Gesprächen genau überlegen, was ich sage, oder über mich erzähle – dachte ich. Nach meinem Outing kam die Erleichterung: Jetzt kann ich mich ganz entspannt unterhalten, weil es nichts zu verheimlichen gibt und ich kann meinen Partner zu Unternehmensfeiern mitbringen. Ich bin auch auf Facebook offen, was meine Orientierung angeht. Mein Umfeld und meine Nachbarn wissen Bescheid. Nur im internationalen Umfeld möchte ich es den Kolleginnen und Kollegen nicht direkt auf die Nase binden, da diese vielleicht Vorbehalte gegenüber Homosexuellen haben.

 

Sie wirken im Regenbogennetzwerk in Ingelheim mit. Wie sind Sie dazu gekommen?

 

Ich bin auf unserer Intranetseite durch die bunte Anzeige in Regenbogenfarben auf das Netzwerk aufmerksam geworden. Seit der Gründung des Netzwerkes im Sommer des vergangenen Jahres bin ich nun schon dabei. Anfang Juni habe ich bei der Betreuung des Regenbogenstands auf dem Diversity Tag in Ingelheim mitgeholfen. Dieses Jahr werde ich auch am Christopher Street Day in Mainz teilnehmen sowie an der 1. Koblenzer Diversity Management Konferenz „Diversity – Vielfalt in der Arbeitswelt“ am 9. August im Koblenzer Rathaus.

 

Was kann das Regenbogen Netzwerk aus Ihrer Sicht leisten? Warum lohnt es sich dort mitzumachen?

 

Für uns ist es wichtig, Flagge zu zeigen und sichtbar zu sein. Das Netzwerk soll einerseits die Vorurteile abbauen, die manche Mitarbeitenden und Führungskräfte vielleicht haben. Wir wollen aber auch denjenigen helfen, ihre Ängste und Unsicherheiten abzubauen, die selbst LGBTIQ sind und sich darüber klar werden wollen. Es hilft ungemein, wenn man merkt, dass man nicht allein ist. Wir treffen uns und diskutieren gemeinsam die Entwicklung des Netzwerks und tauschen uns mit den Kolleginnen und Kollegen in Biberach aus. Dieses Engagement ist auch deshalb wichtig, weil alle Teilnehmenden mit ihrer Unterstützung anderen Mitarbeitenden zeigen, dass Boehringer Ingelheim offen ist und die Vielfalt fördert. Im Netzwerk Aktive zeigen konkret, dass sie sich als LGBTIQ im Unternehmen willkommen fühlen und am Arbeitsplatz selbstverständlich volle Leistung bringen. Doch niemand muss sich outen, um mitwirken zu können. Zu guter Letzt möchten wir auch für Außenstehende da sein. Sie sollen keine Mutmaßungen anstellen müssen, wenn ihnen etwas unklar ist. Wer Fragen hat – einfach fragen!

 

Welchen Tipp würden Sie neuen LGBTIQ-Mitarbeitenden im Unternehmen mit auf den Weg geben, die sich am Arbeitsplatz bislang noch nicht geoutet haben?

 

Ruhe bewahren. Man muss nichts machen. Wenn man sich aber outet, ist es eine wahnsinnige Erleichterung. Die meisten Probleme macht man sich dabei selbst. Ich hatte fast 40 Jahre lang nicht akzeptiert, dass ich schwul bin und hatte viele bewusste und unbewusste Vorurteile. Ich hatte mir ausgemalt, wie negativ die Leute reagieren würden, wenn sie mich mit meinem Freund sehen würden, was passieren könnte. Am Ende hatte ich dann aber kaum negative Erlebnisse. Es ist wichtig, frei zu leben, denn die Angst im Hinterkopf zu haben bringt nichts. Wer dabei Hilfe braucht, sollte sie sich holen. Es gibt Beratungsstellen wie etwa die Bar Jeder Sicht in Mainz, das Schwule Väter Netzwerk, die Bunte Nummer in Wiesbaden – oder eben das Regenbogennetzwerk bei Boehringer Ingelheim.

"Nach meinem Outing kann ich mich ganz entspannt unterhalten, weil es nichts zu verheimlichen gibt, sagt Markus Pax. "
Denise Hottmann
Markus Pax, Boehringer Ingelheim

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