Jane Waithera and Making More Health at Boehringer Ingelheim
11 April 2018
Jacqueline Berlin

Über gängige Schönheitsideale hinaus denken

Es war eine starke Botschaft, die Jane Waithera ihren Zuhörerinnen und Zuhörern mit auf den Weg gab: Vielfalt wird normal sein – und Schönheit ist nicht nur das, was wir kennen. Die Sozialunternehmerin aus Kenia sprach auf Einladung von Making More Health, einer sozialunternehmerischen langfristigen Initiative bei Boehringer Ingelheim, über ihren Kampf für Menschen mit Albinismus. Ein Gastbeitrag von Kerstin Pingel.

Wo echte Inklusion beginnt

 

Albinismus ist eine vererbte Pigmentstörung, bei der der Körper wenig oder kein Melanin bildet. Menschen mit Albinismus haben deshalb sehr helle Haut, Haare und Augen – und leiden noch immer unter einer weit verbreiteten Stigmatisierung. Besonders in afrikanischen Ländern bestimmen Unwissenheit und Aberglaube das Leben der Menschen mit Albinismus. Weil ihre Körperteile angeblich magische Kräfte besitzen, werden unter anderem Belohnungen geboten, damit daraus Heiltränke gebraut werden können. Vergewaltigung und Verfolgung gehören vor allem für betroffene Frauen als ständiger Risikofaktor zum Alltag.

 

Sichtbare Erkrankung mit unsichtbaren Bedürfnissen

 

Jane Waitheras Lebensgeschichte ist die Geschichte vieler Menschen mit Albinismus: Als Baby wurde sie von ihrer Mutter zurückgelassen und wuchs bei der Großmutter auf, die weder das Wissen noch die finanziellen Mittel hatte, um für die besonderen Bedürfnisse ihrer Enkelin zu sorgen. „In der Schule wurde ich bestraft, weil ich nicht lesen und schreiben konnte – von meiner durch den Albinismus bedingten extremen Sehschwäche wusste niemand”, erinnert sich Jane. “Meine Mitschüler kniffen und schnitten mich in meine helle Haut. Ich hatte keine Sonnencreme, um meine empfindliche Haut vor Sonnenbrand zu schützen. Bis zu meinem 16. Lebensjahr kannte ich selbst nicht den Namen für mein Anderssein.” Aufgrund des fehlenden Schutzes durch Melanin ist die Haut der Menschen mit Albinismus besonders anfällig für Sonnenbrand und Hautkrebs.

 

Nachhaltige Lösungen für wirtschaftliche und emotionale Bedürfnisse

 

An dem Tag, an dem Jane ihre erste Brille bekam und andere Menschen mit Albinismus traf, erkannte sie, dass sie nicht alleine war – und entschied sich, für ihre Rechte und die ihrer Leidensgenossen zu kämpfen. Inzwischen hat sich ihr Sozialunternehmen „Positive Exposure“ in Kenia zu einer Organisation entwickelt, die den Menschen am Rand der Gesellschaft eine Stimme gibt. „Zuerst müssen wir aufklären, Wissen vermitteln und so dazu beitragen, dass die Menschen das Anderssein akzeptieren können und für sich selbst einstehen“, erklärt sie. Um gleichberechtigt an der Gesellschaft teilhaben zu können, brauchen Menschen mit Albinismus zudem lebenslang Sehhilfen,Sonnenschutzmittel und medizinische Betreuung. Um eine finanzielle Basis dafür zu schaffen, entwickelt Jane nachhaltige Lösungen wie Trainings für unternehmerisches Denken, Mikrokredite und Förderung von eigenen Startups.

 

Kooperation mit Making More Health

 

„Jane ist eine der faszinierendsten Sozialunternehmerinnen, die ich im Rahmen der Making More Health (MMH) Aktivitäten kennengelernt habe“, erklärt Manuela Pastore, Leiterin der sozialunternehmerischen Initiative. „Ihre Beschreibungen zeigen, dass die Bedürfnisse von Patientinnen und Patienten weit über die medizinische Versorgung hinaus reichen und Inklusion weit mehr umfasst als eine zahlenorientierte Balance. Als ein Baustein unserer MMH-Aktivitäten in Kenia werden wir gemeinsam mit Jane einige Projekte für diese Randgruppen, insbesondere im Bereich Aufklärung und Gesundheitserziehung für Hauterkrankungen und Menschen ohne Lobby aufbauen. Das, was für Patientinnen und Patienten gilt, gilt aber in Hinblick auf Inklusion auch für uns alle.“

 

Diversity & Inclusion als gelebte Wirklichkeit

 

Bei Boehringer Ingelheim ist Diversity & Inclusion kein Versprechen, sondern gelebte Wirklichkeit. Die unterschiedlichen Meinungen, Erfahrungen und Talente sollen in einem Klima des Vertrauens und des gegenseitigen Respekts wachsen können. „Inclusion hat eine große Bedeutung für Boehringer Ingelheim, weil sie den Raum schafft für Diversität“, so Brigit Giokalas, Head of Diversity & Inclusion. „Wir wollen die Rahmenbedingungen schaffen, damit alle Aspekte der Diversität aufblühen können.“ Unter anderem bietet das Unternehmen Trainings für Inclusive Leadership und Unconscious Bias an. „Jane Waithera hat sehr anschaulich gezeigt, was Inklusion – oder das Fehlen davon – für eine Gesellschaft bedeutet kann“, ergänzt Giokalas. Jane selber erklärt Inklusion in ihrer eigenen Weise: „Inclusion ist wie Kuchenbacken. Die einzelnen Zutaten nebeneinander ergeben noch keinen Kuchen – erst wenn man sie miteinander in Beziehung bringt, entsteht etwas Gutes daraus.“

 

Jane Waitheras Vortrag ist auf Facebook abrufbar.

"In der Schule wurde ich bestraft, weil ich nicht lesen und schreiben konnte – von meiner durch den Albinismus bedingten extremen Sehschwäche wusste niemand, sagt Jane Waithera. "
Jacqueline Berlin

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